Gesamtschule Rosenhöhe bereits im Umzugsstress / Marktschule die neue Heimat

VON SUSANNE LAHR

Brackwede. Es sieht nach Ausnahmezustand aus, ist jedoch das geordnete Chaos in der Gesamtschule Rosenhöhe. Klassen- und Fachräume werden leer geräumt, Bücher und Unterrichtsmaterialien nach Sekundarstufen auseinander dividiert, inventarisiert, Kisten gepackt und gestapelt, Mobiliar umher geschleppt.

Die Oberstufe rüstet sich zum Umzug in die Marktschule an der Hauptstraße. Zudem müssen im ersten Geschoss sieben Klassenräume und die Mediathek frei gemacht werden, weil in den Ferien dort mit dem weiteren Umbau für den Gemeinsamen Unterricht begonnen wird. Und nicht zuletzt ist Großreinemachen für alle angesagt.

Eine Oberstufe zieht um

Die Übersicht über all das muss vor allem Wolfgang Marienfeld behalten. Er ist stellvertretender Schul- und Organisationsleiter. Im Minutentakt stehen Kollegen vor seinem Schreibtisch, die nach neuen Umzugskartons fragen, wo sie diese lagern sollen, es geht um Modalitäten für Nachprüfungen, Schüler stehen mit Formularen vor der Tür . . .

Eine Oberstufe zieht um

Eine Oberstufe zieht um

Die zweite Baustelle befindet sich einen knappen Kilometer entfernt. Dort putzen zur gleichen Zeit Zwölftklässler des Grundkurses Musik gemeinsam mit ihrer Lehrerin Ulla Temme die Schränke und Instrumente im zukünftigen Musikraum der Oberstufe, räumen auf, sortieren aus und ein. Der Raum findet sich im Neubau der Marktschule. Lange hat dort schon kein Musikunterricht mehr stattgefunden.

Eine Oberstufe zieht um

Eine Oberstufe zieht um

Benjamin Angermann will den Tasten des Flügels mit einem Reinigungsmittel zu Leibe rücken. Ulla Temme bremst ihn und rät, nur einen feuchten Lappen zu benutzen, damit das Instrument keinen Schaden nimmt. Albert und Marcel sind auch im Poliermodus: Die Klangstäbe des Marimbaphons wollen ebenfalls gereinigt werden. Auf Tischen und Schränken stapeln sich Instrumente und elektronische Geräte. "Einen Teil können wir übernehmen, lassen wir instand setzen", schildert Ulla Temme. So zum Beispiel das Schlagzeug, die E-Gitarre oder das Mischpult samt Verstärker. "Das ist aus den 70ern, funktioniert aber noch. Und wir bemühen uns, Kosten zu sparen, wo es geht."

Die Marktschule am Stadtring wird mindestens für die nächsten fünf Jahre Dependance der Gesamtschule. Schulleiterin Anke Pijahn ist mit ihren Schülern und Kollegen zusammengerückt, hat 16 Räume für die Gäste zur Verfügung gestellt und nach besten Kräften Vorarbeit geleistet. "Wir haben den Neubau, der ja so neu auch nicht mehr ist, komplett mit den Schülern und dem Kollegium auf- und teils leer geräumt", sagt die Leiterin der Hauptschule.

Uwe Barrelmeyer, Oberstufenkoordinator der Gesamtschule, ist voll des Lobes. "Wir sind hier sehr kollegial aufgenommen worden, die Kooperation klappt hervorragend." So habe die Gesamtschule am Stadtring bereits ihre Abiprüfungen schreiben lassen können. "Da ist sogar Unterricht in andere Räume verlegt worden, damit wir Ruhe hatten." Barrelmeyer ist optimistisch, dass die Koexistenz auch nach dem dauerhaften Einzug der rund 290 Oberstufenschüler funktionieren, sich der Alltag zurechtruckeln wird. Die naturwissenschaftlichen Fachräume werden sich Gesamt- und Marktschule teilen.

An der Rosenhöhe geht derweil der "Verdrängungswettbewerb" weiter. Mit jedem weiteren Inklusionsjahrgang, der hochwächst - gestartet ist man im Schuljahr 2013/14 - fehlen der Gesamtschule weitere Räume, weil der Gemeinsame Unterricht mehr Platz braucht. Die Bezirksregierung hat anhand der Richtwerte hochgerechnet, dass bei durchgängiger Inklusion 1.000 Quadratmeter fehlen. Bis 2019, so der Plan, soll daher die Gesamtschule umfassend saniert und erweitert sein.

Die Hauptschule wiederum läuft spätestens zum 31. Juli 2016 aus. Ab dem neuen Schuljahr, sagt Anke Pijahn, hat sie noch rund 110 Schüler und zwölf Lehrer, eine "halbe" Sekretärin und die Schulsozialarbeiterin. "Das ist so etwas wie Grundschule light." Dennoch setzt sie darauf, dass jetzt die Stadt ihr Versprechen hält und in den Sommerferien die Toilettenanlage erneuert, die es dringend nötig hat, und die Klassenräume im Altbau sowie die Flure in beiden Bereichen streicht.

Ein Umzugsunternehmen werden die Kisten, die alle am letzten Schultag gepackt sein sollen, Schülerspinde und Mobiliar von der Rosenhöhe an die Hauptstraße transportiert. Aus- und an den richtigen Stellen wieder einräumen ist erneut ein Projekt von Schülern und Lehrern. Dann beginnt das geordnete Chaos erneut, bis alles seinen Platz hat.

© 2014 Neue Westfälische
01 - Bielefeld West, Freitag 04. Juli 2014

Schule ohne Rassismus