Schüler und Führungskräfte im Dialog bei Vorzeigeprojekt in Haus Neuland

Sennestadt. Nur zwölf Projekte in ganz Deutschland hat das Bundesjugendministerium zur Entwicklung einer eigenständigen Jugendpolitik ausgewählt. Eines davon fand in Haus Neuland seinen Abschluss: Bei "Let's talk about future" diskutierten Oberstufenschüler mit Führungskräften aus Politik und Wirtschaft.

Beteiligt haben sich ein Sozialwissenschaftskurs der Janusz-Korczak-Gesamtschule in Gütersloh sowie ein Projekt- und ein Leistungskurs der Gesamtschule Rosenhöhe in Brackwede.

Aktiv mitmischen

Um fit zu sein für das Gespräch, hatten die Jugendlichen in zweitägigen Seminaren intensiv recherchiert, diskutiert und ihre Ideen in Präsentationen vorgestellt. "Nur mit solcher Vorbereitung können die Schüler den Führungskräften auf Augenhöhe begegnen", erläuterte Carola Brindöpke, Leiterin der Jugendbildung in Haus Neuland, die das Projekt organisiert und betreut hat. Die Jugendlichen entschieden sich für vier Themen, über die mit je drei Vertretern aus Politik und Wirtschaft intensiv gesprochen werden sollte: Mindestlohn, Studienzugang, Datenschutz und Energie.

Fördert die Erhöhung des Mindestlohns die Kaufkraft und kurbelt die Wirtschaft an, wie Onur Ocak (Grüne) und Oliver Kaiser (Verdi) erklärten, oder kostet sie Arbeitsplätze, weil die Firmen ins Ausland abwandern? Das meinte Malte Zabel (wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundestag) und die Schüler erwiesen sich als gut vorbereitet: Sie stellten nicht nur Fragen, sondern konterten auch.

Im anderen Kreis waren sich die Jugendlichen einig, dass nur Erneuerbare Energien eine Zukunft haben und diskutierten mit Volker Wilde von den Stadtwerken Bielefeld sowie Klaus Rees (Grüne) und Arne Potthoff (Industrie- und Handeskammer) über die Umsetzung.

"Als junger Mensch muss man sich beruflich breit aufstellen", rieten Verlagsfrau Karin Lühmann und Alexandra Kramme (Handwerkskammer) den Mädchen, die sich über die hohen Hürden für das Medizinstudium beklagten.

Es sei beklagenswert, gab Landtagsabgeordnete Marlies Scholz (SPD) den Schülerinnen recht, dass Kinder aus wohlhabenden Familien ins Ausland ausweichen könnten. "Auch in der Schule bestimmt das Gehalt der Eltern schon den Erfolg", beklagte Franziska Sueba.

"Ich bin als Marketingmensch gierig nach Daten", bekannte Murielle Guéguen von der Firma Oetker und der Bürgerstiftung Bielefeld. "Aber als Privatmensch will ich geschützt werden." Die Jugendlichen wollten von Michael Gugat von den Bielefelder Piraten und Jasmin Wahl-Schwentker (FDP) wissen, wie sie reagieren können, wenn ihre Daten missbraucht werden. Nach einer Beschwerde helfe nur der Rechtsweg, so Gugat.

Nach 60 Minuten wurde für eine zweite Runde gewechselt. Abschließend gab es ein gemeinsames Forum, in dem sich beide Seiten positiv über den Dialog äußerten. So mancher Jugendlicher ist nun wohl ermutigt, sich aktiv in Beruf und Gesellschaft einzusetzen. Wie vor Jahrzehnten Volker Wilde, der den jungen Leuten erzählte, dass er selbst als Schüler bei einem politischen Seminar in Haus Neuland gewesen ist.

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01 - Bielefeld West, Freitag 15. November 2013

Schule ohne Rassismus