Gesamtschule Rosenhöhe ab neuem Schuljahr inklusiv / Kleiner Umbau zu Beginn

VON SUSANNE LAHR

Brackwede. Wenn der letzte Gong vor den Sommerferien verhallt ist, werden sich die Handwerker in der Gesamtschule Rosenhöhe breitmachen. Bauliche Umbrüche stehen bevor, damit die inhaltlichen Umbrüche mit dem neuen Schuljahr greifen können. Die Gesamtschule ist ab September inklusive Schule. Für Leiterin Claudia Hoppe übrigens kein Umbruch, eher ein Fortschreiten auf einem längst eingeschlagenen Weg.

Nummer ohne Sonderstempel

Acht oder neun junge Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen werden mit den übrigen Fünftklässlern aufgenommen. Sie werden in allen vier Klassen des Jahrganges vertreten sein. „Wir haben bewusst nicht nur eine oder zwei integrative Lerngruppen gebildet“, betont Claudia Hoppe. Dann hätten diese wieder den Stempel der „besonderen Klasse“ gehabt. „Genau das wollen wir nicht.“ Die Kinder mit besonderen Bedürfnissen sollen selbstverständlich Teil des Ganzen sein. „In der Laborschule hat sich das bewährt.“


Und die 53-jährige Schulleiterin sieht ihre Schule und ihr Kollegium sehr gut gerüstet. „Heterogenität ist unser Qualitätsmerkmal.“ Zappelphilippe, Scheidungskinder, Hochbegabte, sozial Benachteiligte, Kinder aus Großfamilien, mit und ohne Migrationshintergrund, Leistungsstarke . . . Und jetzt auch Kinder mit Beeinträchtigungen. „Wir würden uns unser eigenes Konzept von Heterogenität absprechen, wenn wir daraus jetzt eine Sondernummer machen würden“, sagt Claudia Hoppe. Dies würde auch dem inklusiven Anspruch nicht gerecht.


Darum hat sich die Schule auch von den anfänglichen Gedanken verabschiedet, sie bräuchte jetzt viele Differenzierungsräume. „Wir haben unser Konzept einfach weitergedacht und entschieden, dass die vier fünften Klassen einfach alle mehr Platz brauchen.“ In den Sommerferien werden daher im ersten Stock aus sechs Klassenzimmern vier große gemacht. Mit Ruhezonen, Platz für Tischgruppen, Stuhlkreise und ruhiges Arbeiten.


Mehr Platz in einer Schule, die aus allen Nähten platzt, ist dabei nicht ohne Kompromisse zu schaffen. Die durch die Fünften verdrängten Klassen verdrängen wiederum Oberstufenschüler, die künftig in Klassenraum-Containern unterrichtet werden, die auf dem Basketball-Feld aufgestellt werden. Eine Übergangslösung, die ehrlicherweise über Jahre Bestand haben wird. „Das Raumprogramm, das wir in den nächsten Jahren als inklusiv wachsende Schule benötigen, wird jetzt von der Stadt geplant.“ Rund 1.000 Quadratmeter mehr zuzüglich energetischer Sanierung stehen zur Debatte.


Debatten gab es auch in der Gesamtschule Rosenhöhe. Nicht über die Notwendigkeit der Inklusion, aber darüber, ob schon zum neuen Schuljahr oder zum Schuljahr 2014/15 mit dem integrativen Unterricht begonnen werden soll. Kein leichter Prozess, wie Claudia Hoppe zugibt, denn Bedenken und Ängste habe es natürlich gegeben. Letztlich sei die Mehrheit doch dem Rat der Experten gefolgt, sich jetzt und nicht erst später auf den Weg zu machen. „Wir sind nicht zuletzt diesen Kindern, die ihren Platz im Regelschulsystem sehen, verpflichtet“, betont Hoppe.


Und so haben sich eine 16-köpfige Steuerunggruppe und verschiedene Arbeitsgruppen gebildet, gab und gibt es Fortbildungstage, Workshops rund um das Thema „Inklusion“, eine Förderlehrerin, die ins Kollegium der Rosenhöhe wechselt, steht jetzt schon mit Rat und Tat zur Seite. „Ganz viele Kollegen haben sich unheimlich engagiert auf den Weg gemacht“, sagt Claudia Hoppe. Und der Förderverein hat sich bereiterklärt, eine zusätzliche halbe Stelle für einen Schulsozialarbeiter oder eine Schulsozialarbeiterin zu finanzieren.


Ganz wesentlicher Sockel für den Start in die integrative Beschulung ist für die Schulleiterin und ihre didaktische Leiterin, Heidi Bökenkamp, jedoch das von Anfang an bestehende Teammodell der Gesamtschule. Jede Klasse hat einen Klassenlehrer und eine Klassenlehrerin, die zusammen mit den Fachlehrern jahrgangsweise in Teams auf kürzestem Weg zusammenarbeiten. „Wichtig ist der individuelle Blick auf das Kind“, sagt Claudia Hoppe. „Egal, ob mit oder ohne Beeinträchtigung.“


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03 - Bielefeld Süd, Mittwoch 17. Juli 2013

Schule ohne Rassismus