Literaturkursus der Gesamtschule Rosenhöhe zeigt Theaterstück zum Thema sozialer Druck

 Von Kerstin Panhorst

Brackwede (WB). Überforderung und gesellschaftlicher Druck, Arbeitslosigkeit und Stress stehen im Fokus des Theaterstücks des Literaturkurses der Q1 der Gesamtschule Rosenhöhe.

 

Die Eigenproduktion „Hörst Du auch dieses Piepen?“ feierte am Dienstagabend Premiere in der Aula der Schule vor mehr als 80 Besuchern. Inspiriert wurde die Inszenierung vom Fernsehfilm „Mit Burnout durch den Wald“. „Eigentlich sollten die Szenen aus dem Film nur zum Probieren sein, aber es hat den Schülern so gut gefallen, dass wir dann ein ganzes Stück daraus gemacht haben“, erklärt Lehrerin Katharina Löwenstein.

Ihre 16 Schülerinnen und Schüler haben dabei neben den Charakteren aus der Fensehrproduktion auch Zitate aus Literaturvorlagen von Urs Widmers „Top Dogs“, Nick Hornbys „How to be good“ und Shakespeares „Othello“ mit in ihr Werk einfließen lassen. In inneren Monologen haben sie zudem ihre eigene Lebenswirklichkeit eingebaut, auf eigene Emotionen und Erlebnisse zurückgegriffen. 

Gefangene des Alltags

Das Thema Burnout ist nämlich auch den Jugendlichen näher als gedacht. Der Stress vor dem Abitur sei dabei ein großer Faktor. „Da entsteht der Eindruck: Ich muss das schaffen, sonst funktioniere ich in der Gesellschaft nicht“, sagt Katharina Löwenstein. Dieses Gefühl des sozialen Drucks haben die Kursteilnehmer auch auf ihre Figuren übertragen. Da gibt es eine Schülerin, die von den dauernden besorgten Fragen ihrer Mutter genervt ist und sich zwischen Lernen und Minijobs zerreibt. Und eine ewige Praktikantin, die weder eine Festanstellung noch einen Mann an sich binden kann. Eine arbeitslose Architektin, die zu erschöpft ist um sich umzubringen, und eine Lehrerin, die sich von ihren Schülern nicht ernstgenommen fühlt, aber ihren Beruf so ernst nimmt, dass ihre Ehe daran zerbricht. Dazu kommt noch ein älteres Ehepaar, bei dem er nach einem erfüllten Berufsleben als Arzt seinen Ruhestand nun abenteuerlustig gestalten will, während seine als Hausfrau unterforderte Gattin bereits mit dem Leben abgeschlossen hat und auf den Tod wartet.

Alle diese Menschen sind gefangen in einem Alltag, in dem sie sich nicht wohl fühlen, in einem Leben, das nicht sie selbst gestalten, sondern das ihnen von der Gesellschaft aufgezwungen wird. „Wir machen einfach weiter. Immer weiter. Bis wir umfallen“, lautet ihre Erkenntnis. Als sie alle nicht mehr weiter können und sich ihr Stress in einem Tinnitus ähnlichen Piepen manifestiert, suchen sie Hilfe in Form einer Therapie. Die Therapeutin nimmt sie mit auf eine Reise in die Senne, auf eine Trip in die Natur und nach anfänglichem Widerstand auch zueinander und zu sich selbst.

Die nächste Aufführung von „Hörst Du auch dieses Piepen?“ findest am Donnerstag, 11. Juni um 11.30 Uhr innerhalb der Schultheaterwoche im Theater am Alten Markt (TAM) statt. Der Eintritt beträgt für Schüler 3 Euro und für Erwachsene 6,50 Euro.

© 2015 Westfalen-Blatt

Donnerstag, 04. Juni 2015

Schule ohne Rassismus