Gesamtschule Rosenhöhe stellt ihrem Personal beim Pädagogentag eine neue Gebäudeaufteilung vor

Von Markus Poch

Brackwede (WB). Die Gesamtschule Rosenhöhe steht vor einer zukunftsweisenden Sanierung: Bis 2019 will die Stadt, wie das WESTFALEN-BLATT berichtete, 6,4 Millionen Euro investieren, damit das Gebäude energetisch und auch sonst den Anforderungen einer inklusiven Schule mit Ganztagsangebot entspricht. Zur optimalen Ausgestaltung haben sich auch Lehrer, Schüler und Eltern Gedanken gemacht, die in die Planung einfließen sollen.

 Der Raum ist der dritte Lehrer

Getreu ihrem Leitsatz »Die Veränderung von Schulraum muss immer mit der Verbesserung der Lernbedingungen einhergehen« ließ Schulleiterin Claudia Hoppe alle Anregungen in einem Modell verarbeiten. Dieses Modell stellte der Schweizer Architekt und Schulraumentwickler Andreas Hammon gestern während eines schulinternen Fortbildungstages vor. Während die Schüler ein langes Wochenende genießen konnten, hatten sich rund 90 Lehrer, Schulsozialarbeiter, Praktikanten und Sekretärinnen zum Pädagogentag in der Aula versammelt, um den aktuellen Stand zu erfahren.

Demnach sollen die Jahrgänge fünf und sechs künftig in vergrößerten Klassenräumen mit Funktionsecken lernen. Die Schüler der siebten und achten Klassen könnten sich in einem so genannten Cluster wiederfinden, einem gemeinsamen Lern- und Lebensraum. Dieser besteht aus Klassen- und Funktionsräumen, welche über eine große gemeinsame, multifunktionale Zwischenzone verbunden sind. Ein Raum der Stille ermöglicht Schülern wie Lehrern konzentriertes Arbeiten, denn dort wird nicht gesprochen. Zusätzlich soll es Gruppenarbeits- und Bewegungsräume geben.

»Mit zunehmendem Alter erhalten die Schüler immer mehr Freiheiten, um ihre Selbstständigkeit zu fördern«, erklärt Claudia Hoppe. Zu diesem Konzept gehöre eine neue Aufteilung der Räume mit weniger Wänden und mehr Platz. In diesem Zusammenhang soll der bislang kaum genutzte Innenhof der Schule nach hinten, zum Wald hin, geöffnet werden. In den einzelnen Etagen soll der Hof von einer begehbaren Fragekonstruktion überspannt werden. »Wir hatten konstruktive Gespräche mit dem Immobilienservicebetrieb als Schulträger und der Feuerwehr, die unser Modell für machbar halten«, betont Claudia Hoppe.

Bis Ende April will das Gesamtschulkollegium ein Portfolio mit den Nutzungsbeschreibungen aller Räume erarbeiten. Zusammen mit dem bereits vorliegenden Modell soll es die Grundlage zur Architektenausschreibung sein. Die Schulleiterin rechnet damit, dass die 13-monatige Sanierungsphase im Sommer 2017 beginnt und Ende 2018 abgeschlossen ist.

Mit kreativen Denkansätzen sowie Visionen des Unterrichts von morgen hatte der Journalist und Schulexperte Reinhard Kahl den Pädagogentag an der Rosenhöhe eingeleitet. Er sieht die Klassenzimmer der Zukunft nicht als Unterrichtsräume, »sondern eher als Werkstätten oder Ateliers«, die mehr Kreativität zulassen als »pure Behandlungsräume wie in Lazaretten oder Finanzämtern«. Mit Sätzen wie »Man muss das Lernen als Vorfreude der Kinder auf sich selbst und die Welt ansehen« oder »Kinder sind die Baumeister ihrer Welt, und das sollen sie auch bleiben« erhaschte Reinhard Kahl die Aufmerksamkeit des Publikums. Mehrere Lehrer äußerten sich jedoch kritisch: Sie unterlägen so vielen Vorgaben, Zwängen und dem Zeitdruck, dass grundlegende Veränderungen im Unterricht sich kaum realisieren ließen. Nach einigen Workshops am Nachmittag lauschten die Lehrer am Abend einem Vortrag von Dr. Otto Seydel zum Bau inklusiver Schulen. Er sieht den Zusammenhang zwischen Lernerfolg und Platzangebot wie folgt: »Ein Kind hat drei Lehrer: Der erste Lehrer sind die anderen Kinder. Der zweite Lehrer ist der Lehrer. Der dritte Lehrer ist der Raum.«

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Dienstag, 02. Februar 2016 

Schule ohne Rassismus